Burschenverein Aying e.V.
Burschenverein Aying e.V.

Der Ayinger Maibaum

Unser Maibaum in Aying ist, wie jedermann weiß, fast der höchste in ganz Bayern – und da-mit eigentlich auch in der ganzen Welt, weil es ja sonst nirgendwo Maibäume so wie bei uns gibt. Sollte tatsächlich irgendwann einmal ein Dorf einen Maibaum aufstellen, der noch höher ist als unserer dann möge uns der Verein bitte dazu einladen. Denn das Aufstellen so eines mordstrum Baumes ist immer ein atemberaubendes Ereignis.
Bis es soweit ist, ist es allerdings ein schönes Stück Arbeit. Der Maibaum in Aying besteht aus zwei Teilen, die an einer passenden Stelle zusammen geschifft werden. Der untere Baum, Erdstamm genannt wird von Franz Inselkammer gestiftet. Er wird in der Thomas-Nacht, also vom 21. auf den 22. Dezember, umgeschnitten. Da die Bäume zu dieser Zeit nicht im Saft stehen, sind sie leichter als im Sommer. Die Schwierigkeit besteht darin diesen Baum im Stück, ca. 35 - 40 m unbeschadet aus dem Wald zu bekommen. Wenn dies geschafft ist, wird er am Waldrand, wo er Sonne tanken und trocken kann, gelagert. Dazu werden noch die Rin-de und der Bast vom Baum entfernt. Der obere Baum, der Schiffter, wird von Kaspar Springer gestiftet. Er kann erst ausgesucht werden, wenn der Erdstamm bereits gefällt ist. Die beiden Bäume müssen an einer geeigneten Stelle etwa den gleichen Durchmesser haben, damit sie später problemlos zusammenpassen. Da dieser Baum nicht mehr so lang und schwer ist, ist der Transport aus dem Wald etwas einfacher. Auch er wird geschepst, das heißt von Rinde und Bast befreit, und anschließend an einer sonnigen Stelle gelagert bis die Wachzeit beginnt etwas sechs Wochen vor dem Maibaumaufstellen. Ihr Beginn wird mit der Heimfahrt der bei-den Bäume eingeleitet. Diese werden in die Ortschaft gebracht und auf ein vorbereitetes La-ger gelegt. Dieses Lager muss exakt waagrecht sein, damit die Bäume sauber und genau bear-beitet werden können.
Die Bearbeitung der zwei Stämme muss in diesen sechs Wochen abgeschlossen werden, damit pünktlich zum 1. Mai der neue Maibaum aufgestellt werden kann. Am Anfang steht das Hobeln der beiden Stämme. Die unebenen Stellen werden ausgeglichen und eine schöne runde Form des Baumes wird geschaffen. Ist das getan, wird das „Schifften“ vorbereitet. Die Stämme werden so platziert, dass sie an der ausgewählten Stelle zusammen passen. Auf einer Länge von drei Metern werden sie schräg eingeschnitten. Das ist die Stelle an der sich die Bäume berühren. Die schrägen Stellen werden so genau gehobelt und geschliffen, dass sie 100 % genau zusammen passen. Das ist sehr wichtig, damit der Übergang vom einen zum anderen Stamm keine Schwachstelle darstellt. Wenn alles passt werden, sie zusammengelegt, verleimt und links und rechts an den schrägen Stellen mit zwei starken Eisenplatten verschraubt. Anschließend werden noch fünf Eisenringe aufgezogen, damit eine saubere und stabile Schifftung entsteht. Die Eisenringe werden vom Schlossermeister Hans Landerer aus Aying aufgezogen. Sie müssen genau ausgemessen werden, damit alles passt. Vor dem Aufziehen werden sie erhitzt, sodass sie sich ausdehnen und leichter auf die Schifftung passen. Wenn sie aufgezogen sind, kühlen sie ab und ziehen sich zusammen. Eine untrennbare Verbindung entsteht.
Damit ist der rohe Maibaum eigentlich fertig. Er ist fein gehobelt und fertig geschifft. Jetzt hat er eine Länge von 45 bis 50 Metern. In unserer Gegend wird der Maibaum weiß und blau angestrichen. Zuvor aber noch mit farblosem Holzschutz versiegelt, damit die Acrylfarbe später haftet und der Baum noch trocken kann. Er wird als erstes zwei Mal mit weißer Farbe gestrichen. Anschließend wird eine Spirale um den Baum geschnürt. Das erfordert besonders Augenmaß und Erfahrung, damit die Proportionen auch richtig passen. Dann noch eine Schicht blauer Farbe und der Baum ist soweit fertig. Jetzt sollten noch zwei Wochen Zeit sein, bis der Baum aufgestellt wird, damit die Farbe gut einzieht und beim Aufstellen nicht wieder abgeht.
Ist die Farbe nun getrocknet und der 1. Mai steht vor der Türe, kann mit dem Aufstellen be-gonnen werden. Einen Tag vorher wird noch das Dach vom liegenden Maibaum entfernt. Um 6 Uhr in der Früh beginnt der Transport des Maibaumes vom Lagerplatz zum Aufstellplatz. Hierbei sind die freiwilligen Helfer gefragt. Der Transport muss sehr schonend durchgeführt werden, damit die Farbe und vor allem die Schifftung des Baumes nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Einen Tag vorher wurde das Loch am Aufstellplatz gegraben. Dort wird der Baum abgelegt und das Aufstellen von Hand beginnt. Mit sogenannten Scherstangen wird der Baum aufgestellt.
Hierzu sind die Bürger von Aying aufgefordert, da der Burschenverein alleine nicht in der Lage wäre diesen ca. 6 Tonnen schweren Baum alleine aufzustellen. Wenn der Baum senk-recht steht, wird das Loch, das etwa 3,5 Meter tief ist aufgefüllt und verdichtet. Oben drauf kommt noch ein Holzkranz, der mit feinem Kies bedeckt wird.
Die schwierigste und gefährlichste Arbeit des Maibaumaufstellens ist somit geschafft. Der Baum steht. In der Geschichte des Maibaumaufstellens in Aying ist während des Aufstellens noch kein schwerer Unfall passiert. Wollen wir hoffen, dass es auch so bleibt.
Zu guter Letzt werden die Zunftzeichen am Baum montiert. Sie symbolisieren alle Berufe, die es in Aying einmal gegeben hat. Der genaue Platz der einzelnen Schilder wurde allerdings vor dem Aufstellen festgelegt und die Löcher für die Schrauben schon gebohrt. Sie werden nur noch mit Hilfe der Feuerwehrleiter am Baum befestigt. Damit ist der Baum komplett.
Der Tag des Maibaumaufstellens ist in Aying immer ein großes Fest für die Jugendlichen und jung gebliebenen im Festzelt. Am nächsten Tag ist ab zwei Uhr der Tanz um den Maibaum. Dieses Ritual wird schon seit vielen Jahren vollzogen. Es werden mehrere Tänze getanzt. Drunter auch ein klassischer Walzer. Die Ayinger Burschen und Madl’n legen sich ins Zeug, um den zahlreichen Besuchern, die sich mittlerweile eingefunden haben, eine gelungene Tanzeinlage zu präsentieren.
So einen Maibaum aufzustellen, also das Kommando zu geben, ist keine leichte Aufgabe und erfordert viel Erfahrung und Wissen. Seit vielen Jahren wurde dieser Job von Josef Lechner aus Aying und seinem Sohn Günter Lechner, der als Nachfolger seit 2004 fungierte, verrichtet. Sie haben viele Maibäume und Hochzeitsbäume aufgestellt und waren beim Bearbeiten des Baumes immer anwesend.

Seit 2015 übernimmt Manfred Renk in Zusammenarbeit mit Werner Bachmair diesesn Job.
 

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